Christopher König

Photo Privat

Gefühlt fromm - Emotionen in der Frömmigkeitsgeschichte der Frühen Neuzeit

Wissenschaftliches Kolloquium zu Ehren von Prof. Dr. Wolfgang Breul
Freitag, 12.11.2021, 13.00-17.00 Uhr

mit Beiträgen von Juliane Engelhardt (Kopenhagen), Katherine Faull (Lewisburg, PA), Thomas Hahn-Bruckart (Rostock), Hans-Martin Kirn (Groningen), Christopher König (Mainz), Markus Matthias (Amsterdam), Daniel Seel (Mainz)
Johannes Gutenberg-Universität Mainz,
FB 01: Ev. Theologie, Raum T06
Info und Anmeldung: ckoenig@uni-mainz.de

Das Programm finden Sie hier: Fromme Gefühle Flyer

Reformation auf der Bühne - Vortragsreihe zum protestantischen Drama auf der Ebernburg

 

Der erste Vortrag am Sonntag, 24. Oktober, findet zur gewohnten Zeit um 14.30 Uhr zum Thema „Propaganda – Verkündigung – Trostmedium. Betrachtungen zum geistlichen Drama im Lu­thertum des 16. und frühen 17. Jahrhunderts“ statt. Pfarrer PD Dr. Detlef Metz wird in die Forschungsdiskussion zum reformatorischen Drama aus kirchenhistorischer Sicht einführen. Im Fokus steht dabei die Ausprägung dieser Mediengattung im Kontext der lutherischen Konfessionskultur. Detlef Metz ist Privatdozent an der Evangelisch-theologischen Fakultät Tübingen und als Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Siegen sowie als Gemeindepfarrer tätig. Er wurde 2000 mit einer Arbeit über „Gabriel Biel und die Mystik“ an der Universität Tübingen promoviert. 2012 schloss er seine maßgeblich Forschungsarbeit über „Das protestantische Drama“ ab, mit der er an der Ev.Theol. Fakultät in Tübingen habilitiert wurde. Genauere Informationen finden Sie auf der Rückseite.

Der zweite Vortrag von Prof. Dr. Regina Toepfer (Würzburg) gilt dem Thema „Abrahams Fa­mi­lien­drama. Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit im Theater der Reformationszeit“. Er findet am 8. Mai 2022 (14.30 Uhr) statt. Bei Abklingen der Pandemie können wir dann vielleicht wieder auf der Ebernburg sein.

 

25./26. Juni: Pest, Tod und Corona. Leben, Leib und Sterben von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

Die COVID-19-Pandemie stellt eine Ausnahmesituation dar, soviel ist sicher. Sie wird gerne in Superlativen beschrieben, als „Corona-Krise“ oder als „größte Katastrophe“ seit dem Zweiten Weltkrieg. Doch was unterscheidet „Corona“ von den vielen epidemischen Wellen, die in wiederkehrenden Abständen zu hoher Sterblichkeit führen, zum Beispiel den sich ständig wiederholenden Pestepidemien seit der Antike oder der Spanischen Grippe zu Beginn in den 1920er Jahren?

Die kirchenhistorische Sozietät beschäftigt sich in ihrer zweiten Sitzung am 25.-26. Juni 2021 mit Deutungsformen und Bewältigungsstrategien angesichts des großen Sterbens. Diskutieren werden sollen die Formen und Praktiken der Kommunikation, Deutung und Erinnerung, die manche epidemischen Krankheitsverläufe zum Ereignis werden lassen, während andere als hygienischer Alltag in Vergessenheit geraten.

Es erwartet Sie:

- für alle Pietismus-Interessierten ein Muss: eine digitale Führung mit Prof. Dr. Holger Zaunstöck durch die Ausstellung in den Francke’schen Stiftungen in Halle: Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert (hier mehr Infos: https://www.francke-halle.de/de/ausstellungdetail/heilen-an-leib-und-seele-medizin-und-hygiene-im-18-jahrhundert/)

- eine gemeinsame, intensive Quellenlektüre zum Umgang mit Pest, Syphilis und Tod in unterschiedlichen Konfessionskulturen der Frühen Neuzeit (und danach)

- einige aktuelle Buchvorstellungen zum Thema

- die Frage nach der Epidemie-/Pandemie als kommunikativem und als religiösem Ereignis

- und v.a. die Frage, inwieweit (Kirchen.)Geschichte) Denkräume für aktuelle gesellschaftliche und theologische Fragestellungen in und nach der Pandemie eröffnen kann.

SS 2021

Das deutsche Kaiserreich in der Diskussion

Blockseminar zum "Kulturprotestantismus" 1871-1919

Das 150-jährige Jubiläum der "Reichsgründung" am 18. Januar 1871 hat eine spannende Diskussion um den  Ort des Kaiserreichs ausgelöst, in der noch einmal Grundpositionen der historischen Forschung der letzten Jahrzehnte zur politischen Kultur in Deutschland im langen 19. Jahrhundert ausgetauscht werden: War der Hohenzollern-Staat ein autoritäres Gebilde, das sich aufgrund seiner scheinbar preußischen Prägung und seines militaristischen Kultur mehr oder minder als Vorspiel der Katastrophen nach 1933 deuten lässt? Oder lassen sich hier nicht vielmehr - gleichwohl ambivalente - Ansätze zu einer modernen, politisch beteiligten Massengesellschaft erkennen? Das "schwierige Erbe" der Reichsgründung und die Demokratiedefizite betont der Marburger "Altmeister" der neueren Geschichte Eckart Conze in seiner zum Jahrestag erschienen Synthese. Dass sich demgegenüber ein - übrigens international vergleichbarer - "Aufbruch in die Moderne" beobachten lässt, zeigt ein anregender Essay von Hedwig Richter, ohne die Ambivalenzen zu überzeichnen: Zur politischen Massenmobilisierung gehört auch die Forderung der Frauenbewegung nach Wahlrecht oder die liberalisierenden Reformbestrebungen der diversen bürgerlichen oder sozialistischen Vereine. In diese Debatten mischen sich zuletzt auch geschichtsrevisionistische Interessen, die - auch gegen die historische Fachdiskussion - eine geglättete Sicht der deutschen Geschichte auf dem Weg in die Moderne zeichnen wollen.

Die Rolle der (evangelischen) Kirchen bleibt vor diesem Tableau eher blass: Sie lässt sich kaum auf Schlagworte wie Kulturkampf oder nationaler "Luthergeist" reduzieren. Herzlich lade ich dazu ein, einen Blick auf Kultur, Politik und Religion im Kaiserreich am Beispiel der verschiedenen Formationen der "liberalen Theologie" vor 1919 zu werfen. Kolonialdebatten und Nationalismus gehören ebenso in dieses Bild wie die Überzeugung von der Gestaltbarkeit einer christlich-ethischen Kultur oder eine Blütephase der wissenschaftlich-historischen Theologie.

Termine:

Freitag, 23. April 2021, 9-10 Uhr (online)

Freitag, 2. Juli-Samstag, 3. Juli 2021

Freitag, 9. Juli-Samstag, 10. Juli 2021

 

20. April 2021

(c) Jürgen Marose

Erinnerungslernen zwischen Ritual und Neuorientierung

Der Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust steht in der Öffentlichkeit immer wieder zur Debatte. "Erinnerungskultur" ist nicht statisch, sondern unterliegt Neudeutungen und gesellschaftlichen Interessenlagen. Sie hängt auch von den Personen und Institutionen ab, die sie ausgestalten. Als "Erinnerungslernen" stellt die Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Shoa einen festen Bestandteil religionspädagogischer Bildungsarbeit dar. Dieser unterliegt derzeit einem sichtbaren Kontextualitätswandel, der in der Religionspädagogik ebenso wie in der Geschichtsdidaktik verstärkt relektiert wird. Angesichts des Endes der Zeitzeug*innenschaft wird von jüdischer Seite seit längerem ein Unbehagen an etablierten Formen der Erinnerung formuliert. Angesichts der gesellschaftlichen Pluralität rücken Erfahrungen von Bürgerkrieg und Flucht, Diskriminierung und Verfolgung von Migrant*innen in den öffentlichen Erinnerungsdiskurs ein. Entsprechend sind inklusive Konzepte religionspädagogischer und politisch-historischer Bildungsarbeit für ein achtsames und wertschätzendes Miteinander unerlässlich.

Im Rahmen einer interdisziplinären Tagung am 20.4.21 mit dem bibor (Universität Bonn), dem PTI Bonn und der an der Universität Tübingen angesiedelten Forschergruppe "REMEMBER“ werden Ergebnisse einer empirischen Studie zum Thema Shoah vorgestellt und diskutiert. Es werden (religions-)pädagogische Konzepte erörtert, wie Antisemitismus bekämpft werden kann. Unterrichtliche Formate zur Behandlung des Themas Shoah in von Diversität geprägten Lerngruppen werden präsentiert, die Thematik in ihrer Bedeutung für Ausbildung und Beruf reflektiert und im Blick auf eine transnationale Perspektive geweitet.

Den Tagungsflyer sowie eine Programmübersicht finden Sie hier: https://www.ekir.de/pti/Downloads/Erinnerungslernen_20.04.21.pdf